Exkursion über die Grenze in den fünf Kilometer entfernten Braunkohletagebau bei Sienawka (Polen).


Unterwegs zu Fremdheit
zu Reichenau (in Polen heute
gestern Deutschland)
das Eigene geschaut
und gesehen - das Wesen
eine Wunde in der Haut
der verlorenen Heimat
sich selbst vergessend
findest du dich wieder
die Wunde schaut dich an
der Erde Antlitz ruft
nicht nach Vergeltung

Das Loch
Mondlandung - der Eindruck von danach. Das Danach eines gewaltigen Ereignisses. In Atmosphäre und Gestalt. Ruhe, verbranntes Holz, öde Wüstenlandschaft die von dem davor berichtet und sich gegenwärtig neu zu formieren sucht. Ansätze von neuem Leben, der Büsche und Kleinstlebenwesen in den wasserbefüllten Vertiefungen. Canyons entlang mit kleinen Rinnsalen und vom Wasser geformten Skulpturen die sich zerbrechlich bröselnd geben, wenn an ihrer Substanz gerührt wird, die nur scheinbar vorhanden wie eine Maske die bei bloss leichter Berührung in sich zusammenfällt.
Ruhe im Sinne des Ausatmens, des endlich vorbei - all der Widerstand die Anstrengung das Traktieren die Folter und Ausbeutung ist vorbei - Kapitulation - das Danachnach einer grossen Schlacht. Ein Ort des Innehaltens und des Lauschens - ein Ort der mir sehr eigen wähnte. (Andreas D.)



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Gedicht: Andreas Neu, 30.7.02