(zur Kunstwoche von Ulrike vom CSD 2002 Köln)
Der CSD war für mich in diesem Jahr eine tiefe
Erfahrung. Dies auf mehreren Ebenen:
- Es
ist gelungen eine geile, schrille Party, die ein fast ekstatisches Gefühl
bei vielen von uns freisetzte, mit einer konkreten politischen Aussage zu
verbinden.
- Ich
habe meine Kompetenz und mein Unvermögen erlebt.
- Es
hat sich wieder einmal bewahrheitet, dass ein gemeinsames Projekt, dass
einem höherem Ziel dient, die Beziehungen unter den beteiligten Menschen
stärkt und sogar in einer Weise möglich macht, die ansonsten undenkbar
wäre.
- Ich
bin in Erfahrungen gekommen, die mir (zwar nur für einen Bruchteil einer
Zeit) zeigten, wie es ist anders zu sein. Das lag daran, dass viele
„echten Heten“ gar nicht wissen, was Heten sind. Dies galt für die
Passanten am Wegrand, die sicher nur dachten, um welche neue Abart handelt
es sich denn jetzt schon wieder, aber das war nicht so entscheidend.
Einschneidender waren die Reaktionen von Eltern, Freunden und
Arbeitskollegen, die mich auf einmal mit anderen Augen sahen und teilweise
„befürchteten“ ich wäre „ins andere Lager“ übergelaufen. Die Sekunde der
Irritation zu erleben, zu genießen und aber auch der sofortigen Erklärung
Stand zu halten war ein echtes Abenteuer. Mir ist nun sehr viel klarer,
wie meine schwulen Freunde ihr Anderssein, besonders zur Zeit des Comming
out erlebten, und auch heute im täglichen Leben erleben. Es gab auf dieser
Grundlage wunderbare Gespräche mit den „Anderen“. Wie ist es, auf der
einen Seite zu erkennen, dass ich anders bin und unter die Getrenntheit zu
den „Normalen“ (und meinem bisherigen Leben) zu leiden und auf der anderen
Seite die große Befreiung zu spüren endlich so sein zu können, wie ich
eigentlich bin? Darin liegt eine große Befreiung und ein Vakuum ohne
Gleichen tut sich auf. Wir sprachen über die Tendenzen sich nur allzu gern
der neuen „Anders-Welt-Heimat“ anzuschließen, froh darüber endlich wieder
Heimat gefunden zu haben, und oft zu unkritisch und ängstlich, um sich
nicht gleich wieder in die neue „Schublade“ stecken zu lassen.
- Ich
habe erlebt, wie diese Momente des Erkennens der Lebenserfahrungen und des
Lebensgefühls des Anderen eine Form von Verbundenheit schafft, die ich als
Liebe erlebe.
....es wird noch weiter gedacht...
- Wenn
Du einmal gesprungen bist, kannst Du immer wieder springen.
- unser politisches Profil:
Wir
unterstützen die freie Entfaltung aller Lebewesen. Wir freuen uns, wenn
Menschen ein mutiges, kreatives und verantwortliches Leben führen. Damit dies
möglich ist, müssen wir günstige Bedingen schaffen.
Schauen wir in die Welt,
können wir sehen, dass wir uns in Europa in einer sehr privilegierten Position
befinden. Dies entbindet uns natürlich nicht davon, Misstände aufzudenken und
neue Wege zu entwickeln. Allerdings machen wir uns oft durch
Vorurteile
und bestimmte gesellschaftliche oder moralische Vorstellungen das Leben selbst
unnötig schwer.
Wir sind der Auffassung,
dass das Leben und die Liebe riesige Geschenke sind. Das wollen wir feiern!
Wir Kölner Heten leben in
einer Stadt, in der das gleichgeschlechtliche Leben zum Alltag gehört. Unsere Freundeskreise
sind bunt gemischt. Seit vielen Jahren nehmen wir als Gäste am CSD teil. In diesem Jahr sind wir
selbst mit einem Wagen dabei, weil wir aktiv dafür einstehen, dass die Menschen
frei und liebevoll leben können und wollen.
Wir freuen uns über
Gleich (grins)-gesinnte. Entscheidend dabei ist nicht, ob du Homo oder Hete
bist. Wir wollen nicht mehr in „die“ und „wir“ denken ohne in Gleichmacherei zu
verfallen. Denn die Menschen sind unterschiedlich und das ist eine große
Bereicherung für uns alle.
Free your mind, raus aus den Schubladen.