Beweg dich in deinen Eigenfarben, bis du im Recht bist und das Rauschen der Blätter
süß wird .... (Peter Handke)

FARBENSPIEL - Kunstwoche in der Kulturfabrik Meda

Ein Tagebuch in ausgewählten Bildern und Texten

Fotos von Michael Borgmann, Rolf Monitor, Veronika Kirchmaier, Sabine Schröder, Julia Tham, Christine Cieslak, Philine Brandt

Dienstag, 9. Sept.:

 

 

Blaupause

Schlaflos im Fenster die Nacht
Fragt wozu das Ganze
Weil ich die Antwort nicht weiß
Das Dunkel lässt nicht mit sich reden
Geh ich zurück in den Schlaf
Der Morgen vielleicht weiß es anders

Heiner Müller


Nach einer internationalen Übereinkunft sollte der Begriff "Farbe" nur noch für einen durch das Auge ermittelten Sinneseindruck, der durch die auf das menschliche Auge auftretenden Lichtstrahl ausgelöst wird, verwendet werden. "Farbe" allein wird also nicht mehr als Benennung für Stoffe benutzt. Für Stoffe dagegen, mit deren Hilfe man Gegenständen eine andere Farbe geben kann, sollten Wortzusammensetzungen mit Farbe, wie z. B. Malfarbe, Ölfarbe, Leimfarbe o. ä., gewählt werden. (aus: Max Doerner - Malmaterial und seine Verwendung im Bilde)
 
"Die Kunst des Malens besteht darin, einen Farbfleck, sagen wir Venezianer Rot, so zu umgeben, dass er Zinnober zu sein scheint." (Edgar Degas)

Grundfarben

Rot, Gelb und Blau sind die Farben, die Piet Mondrians (1872-1944) Werk berühmt gemacht haben. Seit 1921 malte er ausschließlich mit den Primärfarben und kombinierte sie mit weißen Flächen und schwarzen Linien <...>
Farbe war für Mondrian zunächst in der Tradition Rembrandts das Material der Wirklichkeit. Sein Frühwerk bestimmten die erdigen Farben der Landschaft. Goethes Farbenlehre lenkte seine Aufmerksamkeit erstmals auf die Primärfarben. <...> In zahlreichen Variationen und unabschließbaren Bildreihen zeigt er die Farben in immer neuen Beziehungen. In seinem Experimentieren strebte Mondrian nach einer Harmonie, die sich dem Betrachter unwillkürlich mitteilt.

Julia Tham: Gelb vor Neid, Rot vor Wut, feelin Blue, so Blue!

 

Mittwoch, 10. Sept:

ROT


 
Rosa Hortensie

Wer nahm das Rosa an? Wer wusste auch,
dass es sich sammelte in diesen Dolden?
Wie Dinge unter Gold, die sich entgolden,
entröten sie sich sanft, wie im Gebrauch.

Dass sie für solches Rosa nichts verlangen.
Bleibt es für sie und lächelt aus der Luft?
Sind Engel da, es zärtlich zu empfangen,
wenn es vergeht, großmütig wie ein Duft?

Oder vielleicht auch geben sie es preis,
damit es nie erführe vom Verblühn.
Doch unter diesem Rosa hat ein Grün
gehorcht, das jetzt verwelkt und alles weiß.

Rainer Maria Rilke

Einkauf und Ernte


Auch die Handwerker haben sich auf "Rot" eingestellt:


Julia Tham: ROT sehen

 

Rolf und Veronika singen und spielen ...

Red Rain

... is coming down, red rain
Red rain is pouring down, pouring down, all over me

I am standing up at the water`s edge in my dream ...

Sabines roter Dresden-Spaziergang

Freiheit
Kein Kino mehr
Rote Haare
Ornament
Straßenbegegnung
Wir bleiben

Do, 11. Sept.:

BLAU


 
Ein blauer Tag

Ein blauer Tag
Nichts Böses kann dir kommen
an einem blauen Tag
Ein blauer Tag
die Kriegserklärung
Die Blumen öffneten ihr Nein
Die Vögel sangen Nein
ein König weinte
Niemand konnte es glauben
Ein blauer Tag
und doch war Krieg

Gestorben wird auch an blauen Tagen
bei jedem Wetter
Auch an blauen Tagen wirst du verlassen
und verlässt du
begnadigst nicht
und wirst nicht begnadigt
Auch an blauen Tagen
wird nichts zurückgenommen
Niemand kann es glauben:
Auch an blauen Tagen
bricht das Herz.

Veronika: Blauer Morgen - Auf dem Weg nach Prag (er-innert)


... das Mittagessen

 

Rolf, Friedrich und Veronika singen und spielen ...

Blue Bossa

... How can I forget
That magic dawn
All the warm desire
The fire in your touch
The blueness of the trueness of our love ...

Fr, 12. Sept.:

GRÜN


Die schöne Buche

Ganz verborgen im Wald kenn ich ein Plätzchen, da stehet
Eine Buche, man sieht schöner im Bilde sie nicht.
Rein und glatt, in gediegenem Wuchs erhebt sie sich einzeln,
Keiner der Nachbarn rührt ihr an den seidenen Schmuck.
Rings, so weit sein Gezweig der stattliche Baum ausbreitet,
Grünet der Rasen, das Aug still zu erquicken, umher;
 
Gleich nach allen Seiten umzirkt er den Stamm in der Mitte;
Kunstlos schuf die Natur selber dies liebliche Rund.
Zartes Gebüsch umkränzet es erst; hochstämmige Bäume,
Folgend in dichtem Gedräng, wehren dem himmlischen Blau.
Neben der dunkleren Fülle des Eichbaums wieget die Birke
Ihr jungfräuliches Haupt schüchtern im goldenen Licht.
Nur wo, verdeckt vom Felsen, der Fußsteig jäh sich hinabschlingt,
Lässet die Hellung mich ahnen das offene Feld.
- Als ich unlängst einsam, von neuen Gestalten des Sommers
Ab dem Pfade gelockt, dort im Gebüsch mich verlor,
Führt` ein freundlicher Geist, des Hains auflauschende Gottheit,
Hier mich zum erstenmal, plötzlich, den Staunenden, ein.
Welch Entzücken! Es war um die hohe Stunde des Mittags,
Lautlos alles, es schwieg selber der Vogel im Laub.
Und ich zauderte noch, auf den zierlichen Teppich zu treten;
Festlich empfing er den Fuß, leise beschritt ich ihn nur.
Jetzo, gelehnt an den Stamm (er trägt sein breites Gewölbe
Nicht zu hoch), ließ ich rundum die Augen ergehn,
Wo den beschatteten Kreis die feurig strahlende Sonne,
Fast gleich messend umher, säumte mit blendendem Rand.
Aber ich stand und rührte mich nicht; dämonischer Stille,
Unergründlicher Ruh lauschte mein innerer Sinn.
Eingeschlossen mit dir in diesem sonnigen Zauber-
Gürtel, o Einsamkeit, fühlt ich und dachte nur dich!

 


 

Wir sind uns nicht ganz grün

Komm an meine grüne Seite

Dafür hab ich grünes Licht

Grün und gelb vor Neid

Grün und blau geschlagen

Raus ins Grüne fahren

Es grünt so grün ...

Da drüben ist der Rasen viel grüner

Christine und Veronika singen ...

Greensleeves

... was all my joy,
Greensleeves was my delight.
Greensleeves was my heart of gold
and who but my Lady Greensleeves.

Atelierabend:

 
 
 

Julias Lichtertanz

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Gelber Abschluss

 

Sa, 13. Sept.:

Vorbereitungen zum Tag des Offenen Denkmals


Installationen aufbauen, Bilder hängen, Räume pflegen, Ideen spinnen, Lieder üben, bunte Aufstriche und Getränke komponieren, Zutaten einkaufen, Schokolade essen und Tee trinken, Unmengen farbige Papierquadrate schneiden, den roten Faden kaufen, rote Pfeile im Haus verteilen, Begleittexte schreiben, Bildschirme installieren, den farbenprächtigen Film "Fascinating India" zeigen, bei der Kinovorstellung für den Tag des Offenen Denkmals werben ...

So, 14. Sept.:

TAG DES OFFENEN DENKMALS


 

Welche Farbe würden Sie dem jeweiligen Vokal zuordnen?

 

Vokale

A schwarz E weiß I rot U grün O blau - vokale
Einst werd ich euren dunklen ursprung offenbaren:
A: schwarzer samtiger panzer dichter mückenscharen
Die über grausem stanke schwirren schattentale
E: helligkeit von dämpfen und gespannten leinen
Speer stolzer gletscher blanker fürsten wehn von dolden.
I: purpurn ausgespienes blut gelach der Holden
Im zorn und in der trunkenheit der peinen.
U: räder grünlicher gewässer göttlich kreisen
Ruh herdenübersäter weiden ruh der weisen
Auf deren stirne schwarzkunst drückt das mal.
O: seltsames gezisch erhabener posaunen
Einöden durch die erd- und himmelsgeister raunen.
Omega - ihrer augen veilchenblauer strahl.

Arthur Rimbaud (aus dem Französischen von Stefan George)

 

Wohin führt der Rote Faden?

 
 
 
 
 
 
Rot ist die Liebe....Rot vor Wut....dem roten Faden folgen....Morgenröte und Abendrot....vor Freude erröten - oder vor Scham.... eine Rose ist eine Rose ist eine Rose....rosenrot....Schneeweißchen und....rot wie Blut....

 
 
 
Wir sind uns nicht ganz grün....Komm an meine grüne Seite....Dafür hab ich grünes Licht....Grün und gelb vor Neid....Er hat sie grün und blau geschlagen....raus ins Grüne fahren....Es grünt so grün wenn....Da drüben ist der Rasen viel grüner....

 
Du wirst dein blaues Wunder erleben....mal Blau machen....total blau sein....Er hat sie grün und blau geschlagen....Ich bin mit einem blauen Auge davongekommen....So blaue Augen!....blauer Brief....blaublütig....Feeling blue....Einfach ins Blaue fahren....

 
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